TOPCon vs Back-Contact: ein falscher Gegensatz?


Veröffentlicht am: 12.07.25

 

Die Intersolar 2025 bot den Anlass für einen deutlichen Beschleunigungsschub der TOPCon-Technologie. Zahlreiche Hersteller präsentierten „optimierte“ Versionen ihrer Module, mit Leistungsgewinnen von bis zu 20 W. Diese Verbesserungen beruhen auf einer Reihe technischer Weiterentwicklungen, von denen einige bereits umgesetzt sind, andere bis Ende 2025 geplant sind.
 

Doch dieser Leistungsschub könnte nur ein letztes Aufbäumen vor der Übergabe des Staffelstabs an die Back-Contact-Technologie sein.

Die Optimierungen von TOPCon "Next Gen"

Die neuen TOPCon-Module verdanken ihre Effizienzsteigerung mehreren Weiterentwicklungen:
 

0BB-Zellen und Smart-Wire-Technologie

Keine sichtbaren Busbars mehr: Die elektrischen Verbindungen werden durch feine Kupferdrähte gewährleistet, die in einen Polymerfilm eingebettet sind und direkt auf die Zellen laminiert werden.

  • Weniger Verschattung → mehr eingefangenes Licht
  • Geringere thermische Belastung → Reduzierung von Mikrorissen und Hotspots
  • Kompatibel mit dünneren Zellen (Materialeinsparung)
     

 
Geschätzter Gewinn: +5 bis 8 W pro Modul
 

Passivierung nach dem Laserschneiden

Das Laserschneiden der Halbzellen beeinträchtigt lokal die Passivierungsschicht und reduziert die Effizienz. Eine sekundäre Passivierung ermöglicht es, die Leistungsfähigkeit wiederherzustellen.

 

  • Reduzierung der strombedingten Verluste an den geschnittenen Kanten


Geschätzter Gewinn: +3 bis 5 W

Poly Finger

Die n+-Dotierungsschicht wird nur um die rückseitigen Kontakte („Fingers“) herum konzentriert, anstatt die gesamte Oberfläche zu bedecken.

 

  • Weniger Rekombinationen → höherer elektrischer Wirkungsgrad
  • Erhöhung des Bifazialitätsfaktors


Geschätzter Gewinn: +2 W und +5 % Bifazialität
 

Doppelte Antireflexionsschicht

Das Frontglas erhält zwei übereinanderliegende Antireflexionsschichten (ARC) statt nur einer. Dadurch wird die Lichttransmission verbessert.
 

 

  • Bessere Lichtaufnahme
     


Transmissionsgewinn: +2,5 %
Leistungsgewinn: nicht spezifiziert, aber signifikant
 

Optischer Film zur Umlenkung des Lichts

Dieser Film lenkt das einfallende Licht in die aktiven Bereiche zwischen den Zellen und reduziert so Verluste in den Zwischenräumen.
 

  • Bessere Nutzung des einfallenden Lichts


Geschätzter Gewinn: +3 bis 5 W

Zu beachtende Punkte

  • Die Hersteller werden diese Optimierungen nicht zwangsläufig alle gleichzeitig umsetzen, was zu Unterschieden innerhalb ein und derselben Produktpalette führen wird (z. B. 1762 × 1134 TOPCon oder 2382 × 1134 TOPCon).
  • Die meisten Hersteller ändern die Produktreferenzen nicht, sondern aktualisieren die bestehenden IEC-Zertifizierungen.
    Die „High-Power“-Produkte werden im dritten und vierten Quartal 2025 nur begrenzt verfügbar sein, sodass zwei Produkte mit derselben Referenz, aber unterschiedlichen Leistungs-Roadmaps parallel am Markt existieren werden.
  • Diese Produkte mit einer „High-Power“-Stückliste (BoM) werden aufgrund begrenzter Kapazitäten und höherer Kosten bestimmter Materialien voraussichtlich mit einem Preisaufschlag verkauft.
  • Mit diesem „Sprung“ der Nennleistung müssen zahlreiche Zertifizierungen, die die Modulleistung betreffen, aktualisiert werden (z. B. IEC-Zertifikate, ETN/ATEx/ATEC, ECS).

TOPCon-Leistung vs. Back-Contact: Was ist zu erwarten?

Mit all diesen Weiterentwicklungen nähert sich die Leistungs-Roadmap der TOPCon-Module derjenigen von Back-Contact-Modulen bei vergleichbaren Abmessungen an – zumindest vorübergehend.

Doch Vorsicht: TOPCon nähert sich seiner theoretischen Wirkungsgradgrenze (~28,7 %) und dürfte selbst mit allen Optimierungen bei etwa 27 % stagnieren.

Back-Contact hingegen verfügt weiterhin über ein deutlich größeres Entwicklungspotenzial.

Unsere Analyse:

Man dürfte bis 2026 eine Koexistenz beider Technologien beobachten, bevor es voraussichtlich zu einem Übergang zugunsten der Back-Contact-Technologie kommt.
 

Für Planungsbüros, Installateure und Modulkäufer bedeutet dies:
 

  • Die technischen Datenblätter sorgfältig prüfen über die bloßen Produktreferenzen hinaus
  • Die Entwicklung der Hersteller-Roadmaps eng verfolgen
  • Leistungsunterschiede innerhalb derselben Modullieferung antizipieren

Quellen:

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